hiphop kann dein freund sein. also, der von früher zumindest.
dass mich hiphop von heute nicht mehr gaaaanz so von den socken haut wie es vielleicht in früheren jahren einmal der fall war stößt mir schon länger sauer auf. wieso das so ist und wo genau der unterschied zwischen dem alten heißen scheiß und dem neuen lauen lüftchen liegt erklär uns saint von kraftfuttermischwerk (;-) und bringt die sache mit dem hiphop auf den punkt:
oh, er hat so recht. schade eigentlich.
"Ich dachte an Advanced Chemistry, Anarchist Academy, Too Strong, Fresh Familee und alle die anderen HipHop-Combos der Neunziger, die ich noch richtig gut fand. Ich mochte, die kritischen Texte, die sich gegen all das aufwarfen, was ich damals auch nicht mochte: staatlich geduldeten Rassismus, die Rechtsradikalen, die sich im Osten ausbreiteten, als wollten sie der Pest Konkurenz machen, die Probleme der Migrantenkinder in den Vorstadtplattenbauten, die Schwierigkeiten der Integration und eben den sprachlich konkreten, auf den Punkt gebrachten Umgang damit.
Es ging um etwas im HipHop. Bei einigen zumindest. Es ging gegen das System, um die miese gesellschaftliche Stellung von Minderheiten, gegen die “Bullen”, gegen die Bürgerlichkeit und gegen all jene Leute, die dabei stillschwegend zusahen. Ganz nebenbei ging es dann auch noch um eine große Portion Spass mit einem Joint in der Hand.
[...]
Klar, gab es auch damals schon dieses ganze Battle-Gedöns und Leute, die über Länge ihrer Geschlechtsteile sangen aber es waren nur wenige und wenn man wollte, kam man ohne weiteres an ihnen vorbei.
Heute ist das anders. Heute stehen viele von denen, die noch in der Lage dazu waren, auch Inhalte zu vermitteln, nicht mehr hinter den Mics. Sie überlassen all jenen das Feld, die nur noch zu erzählen haben, wie lang ihrer sei, wie mächtig und vor allem wie potent. Sie reden über “Schlampen”, über das Töten und das zerstückeln, über die Achtmillimeter, die sie angeblcih im Schrank haben, über die Schwulen, die sie “hassen”, über die Minderheiten, die sie kotzen lassen und das ganze andere Zeug, was ihnen keiner abnimmt, außer sie sich selber vielleicht. Kurz um: Sie feiern sich, ihren Schwanz und ihre omnipotenten Eier kontinuirlich selber.
Zwischendurch erzählen sie auch was aus ihrem Viertel und verkaufen das dann noch als Gesellschaftskritik, was nicht weiter schlimm wäre, wenn es denn Hauptmerkmal ihrer verbalen Info wäre. Ist es aber nicht. Darum geht es nur am Rande. Klar, gibt es auch noch gute Texte aber es sind nur noch wenige und wenn man ganz genau hinhört, kommt man (leider) ohne weiteres an denen vorbei."
oh, er hat so recht. schade eigentlich.
abgelegt in la musique am Donnerstag, 13. März 2008, 03:51